Autorin Petra SchierMit Mann und Schäferhund lebt Petra Schier in einer kleinen Gemeinde in der Eifel. Dort arbeitet sie nach dem Fernstudium der Geschichte und Literatur als freie Lektorin und Autorin. Sie veröffentlichte bereits sehr erfolgreich ihre historischen Romane bei Rowohlt (z. B. „Die Gewürzhändlerin“), so wie einige Weihnachtsromane bei Rütten & Loening (z. B. „Ein Weihnachtshund für alle Fälle“).

Doch auch verlagsunabhängig ist Petra Schier unterwegs: Unter dem Pseudonym Mila Roth veröffentlicht die Autorin eine spannende Action-Romance-eBook-Serie um den Geheimagenten Markus Neumann und die Zivilistin Janna Berg.



Petra Schier antwortet auf unsere fünf Fragen:


Wo schreibst du am liebsten?
In meinem Arbeitszimmer. Dort habe ich meinen PC mit allen nötigen Informationen und Daten und außerdem noch eine umfangreiche Handbibliothek. Allerdings weiche ich hin und wieder auch mit meinem Laptop in ein anderes Zimmer aus oder im Sommer nach draußen auf die Terrasse.

Wie fängst du eine Geschichte an?
Am Anfang steht natürlich die Idee, die ich auf einem Blatt Papier (oder im Kopf) skizziere. Wenn ich ungefähr weiß, was die Geschichte alles enthalten soll und wer meine Figuren sind, erarbeite ich ein Exposé für den Verlag und/oder ein Arbeitsexposé für mich. Selbst. Dieses enthält bereits die wichtigsten Handlungsstränge und Wendungen des Plots sowie das Ende.
An diesem Gerüst arbeite ich mich dann beim Schreiben entlang.

Außerdem entwerfe ich für alle Haupt- und wichtigen Nebenfiguren Biografien, Steckbriefe und Charakterbilder. Für alle Figuren der Geschichte habe ich zudem eine Personenliste mit den wichtigsten äußerlichen und charakterlichen Attributen. Das hilft mir, nicht den Überblick zu verlieren, und bewahrt mich davor, dass eine Figur am Anfang blaue und am Ende braune Augen hat. :)

Der eigentliche Anfang einer Geschichte ist für mich meist nicht schwierig. Sobald ich spüre, dass ich alle Daten, die ich benötige, beisammen habe, setze ich mich hin und schreibe. Der erste Satz ist wichtig, aber ich plane ihn nicht. Wenn ich am PC sitze, starre ich ein Weilchen in die Luft, bis der Satz zu mir kommt. Das hat bisher immer funktioniert. Und ich glaube, ich habe noch niemals einen ersten Satz wieder vollständig gestrichen. Höchstens Feinschliff hat er hin und wieder bekommen.

Während des Schreibens mache ich mir immer wieder Stichworte für die kommenden 50 Seiten, notiere mir, welche Ereignisse in diesem Abschnitt enthalten sein sollen. Nicht zwangsläufig chronologisch und einfach nur, um nichts zu vergessen.

Das klingt sehr planvoll, ist es auch. Aber inzwischen habe ich gemerkt, dass dies doch nur 50 Prozent des kreativen Prozesses sind. Ich bin zur anderen Hälfte durchaus Bauchschreiberin, was bedeutet, dass ich der Geschichte und den Figuren viel Freiraum lasse, sich zu entwickeln. Manchmal auch in Richtungen, die vorher nicht absehbar waren. Auch kommen unverhofft Figuren dazu oder verabschieden sich vorzeitig. Wenn ich mich morgens an den PC setze, weiß ich zwar, worüber sich schreiben werde, aber was genau alles passieren wird, kann ich dann noch nicht sagen. Es überrascht mich immer wieder selbst am ende eines Schreibtages, was sich in meinen Geschichten alles ereignet. Interessanterweise ist es aber immer so, dass sich diese Entwicklungen innerhalb meines Gerüsts abspielen. Der rote Faden geht dabei nicht verloren.

Was machst du gegen Schreibblockaden?
Ich sitze sie aus. Sich dagegen zu wehren, so meine Erfahrung, macht Schreibblockaden nur noch schlimmer. So schwer es auch sein mag, vor allem, wenn ein Abgabetermin drückt: Ich höre auf, beschäftige mich mit etwas anderem. Entweder mit Werbung für meine Bücher, mit der Erstellung eines Trailers oder dem Aufpolieren und Ergänzen meiner Internetseiten. Oder ich schalte den Computer ganz aus und gehe mit dem Hund raus, lese ein Buch, schaue mir ein paar Folgen meiner Lieblingsserie auf DVD an.

Schreibblockaden dauern bei mir selten lange. Einen oder zwei Tage, manchmal eine Woche. Die längste hatte ich 2010 – sie dauerte fast einen Monat. Das war hart, aber auch sie habe ich überstanden. Und danach ging das Schreiben umso besser. Blockade wollen einem Autor immer etwas sagen. Entweder, dass er zu viel gearbeitet hat oder dass etwas mit dem Plot oder den Figuren (noch) nicht stimmt. Oder dass er eine Geschichte schreibt, die er eigentlich nicht schreiben will. Man muss in sich hineinhorchen, dann findet man den Grund meistens heraus. Und in diesem Sinne kann man eine Schreibblockade durchaus als etwas Positives ansehen: Wenn man weiß, dass etwas nicht stimmt, kann man sich überlegen, wie man es ändern könnte. Aber man darf sich nicht unter Druck setzen. Das mag das Unterbewusstsein überhaupt nicht. Wenn man lernt, loszulassen und akzeptiert, dass man gerade eine Blockade hat, vergeht sie nach meiner Erfahrung viel schneller, als wenn man dumpf darüber brütet und sich womöglich selbst in Panik versetzt.

Was liest du gerne?
Wenn ich überhaupt Zeit habe, privat zu lesen, dann mag ich immer wieder gerne Jane Austen, aber auch Nora Roberts, gerne auch im englischen Original auf dem Kindle. Hin und wieder darf es auch ein historischer Roman sein, z. B. von Andrea Schacht.

Da ich nun schon drei Jahre hintereinander in der Jury zum DeLiA-Literaturpreis gesessen habe, durfte ich überdies mehrere Hundert Liebesromane von deutschen AutorInnen lesen, was sehr interessant und auch lehrreich gewesen ist.

Was denkst du über eBooks?
eBooks sind die Zukunft der Literatur. Sie werden das gedruckte Buch nicht verdrängen, aber ihm eines Tages ebenbürtig werden. Ebenso wie früher einmal das Taschenbuch dem Hardcover und dann das Hörbuch.

In Deutschland gibt es immer noch eine große Fraktion, die sich mit Händen und Füßen gegen das eBook wehrt, aber die Tendenzen in anderen Ländern, allen voran den USA zeigen schon, wohin die Reise gehen wird.

Allerdings müssen die Verlage noch lernen, dass man ein eBook nicht für den gleichen Preis wie das entsprechende Printbuch auf den Markt werfen sollte. Die Leser zögern selbstverständlich, für eine elektronische Datei ohne Mehrwert genauso viel Geld auszugeben wie für ein gedrucktes Buch, dass sie ins Regal stellen oder auch vom Autor signieren lassen können.

Für Autoren kann das eBook eine große Chance sein, ob sie nun bereits bekannt sind und für Verlage schreiben oder nicht. Es war noch niemals so einfach, den Markt für Texte zu testen, die die Publikumsverlage aus verschiedensten Gründen ablehnen.

Allerdings muss sich – wie überall sonst auch – erst die Spreu vom Weizen trennen. Momentan wird sehr viel – Pardon – Müll auf den eBook-Markt geworfen. Schlecht oder gar nicht lektorierte Manuskripte, Bücher zu Themen, die entweder niemanden interessieren oder die einfach nicht gut umgesetzt wurden, weil den Autoren die Erfahrung und der kritische Blick auf sich selbst und die eigene Schreibe fehlen. Da sind ganz eindeutig die Leser gefragt. Sie entscheiden gerade im Bereich Self-Publishing, wer hop ist oder top.

Jemand, der selbst ein eBook veröffentlichen will, sollte sich ernsthaft die Frage stellen, ob es auch gut genug ist und wer die Zielgruppe sein soll. Das Schreiben ist ein Handwerk, das gelernt werden muss wie jedes andere auch. Leider verstehen das viele Menschen nicht. Auch nicht, dass ein Buch professionell lektoriert gehört und auch für Grafik (Cover) und Layout jemand gesucht werden sollte, der sich damit auskennt. Das kostet Geld. Aber wenn man das nicht bereit ist zu investieren, kommen am Ende eBooks dabei heraus, die den Lesern den Spaß an diesem neuen Medium vergällen.



Petra Schier: „Die Gewürzhändlerin“ (Kindle-eBook)


Petra Schier: Die GewürzhändlerinVon der Eifel an den Rhein: ein Frauenschicksal im Mittelalter Luzia verbringt mit ihrer Herrschaft die Wintermonate in Koblenz. Die Bauerntochter ist überwältigt: Das Leben in der Stadt ist so aufregend! Ihr Glück scheint vollkommen, als der Gewürzhändler Martin Wied sie um ihre Mitarbeit bittet: Ingwerwurzeln, Safranfäden, Paradieskörner, Zitronenöl, Muskatnuss – Luzia entdeckt ihre Passion. Ihr Verkaufstalent, ebenso wie ihr hübsches Äußeres, bleibt auch anderen nicht verborgen. Ausgerechnet Siegfried Thal, der Sohn von Martins größtem Konkurrenten, will Luzia zur Frau. Noch bevor Martin ihr seine eigenen Gefühle offenbaren kann, wird er des Mordes angeklagt. Überzeugt von seiner Unschuld, beginnt Luzia nach dem wahren Täter zu suchen …

Weitere Infos zur Autorin findet ihr auf: www.petra-schier.de



Die Interview-Reihe „5 Fragen an …“ erscheint wöchentlich!

Suchst du nach Inspiration von erfolgreichen Autoren? Schaue nächste Woche wieder vorbei.